
Es ist schon fast nichtmehr wahr, vor ungefähr 2 1/2 Jahren war ich in Indien bei der Hochzeit meines Schwagers, es war fest

Nicht viele Europäer haben die Möglichkeit quasi aus der zweiten Reihe (die Schwägerinnen – oder eigentlich die Frauen der Familie, aber das sind in diesem Fall die Schwägerinnen – haben in Indien bei Hochzeiten ein paar wichtige Aufgaben), eine indische Hochzeit zu erleben.

Wir sind irgendwann gegen 2 Uhr Früh in Dehli angekommen, ich hatte vorher die Familie meines Mannes nie gesehen….das gab erstmal ein überschwängliches Hallo, ein auspacken der Koffer, welche voller Geschenke aus Österreich waren und ein plaudern bis weit in die Nacht hinein….
Nicht vorenthalten will ich Euch auch meine erste lustige Begegnung mit dem indischen Verkehr, eine Geschichte die ich gerne erzähle.
Wir fahren mit dem Taxi mitten in der Nacht auf der Flughafen-Autobahn nach Delhi, plötzlich kommt ein anderes Taxi nahe an uns ran, beide kurbeln das Fenster runter ,werden langsamer und der andere Taxler gibt unserem Taxler während der Fahrt auf der Autobahn einen Drehmomentschlüssel, oder wie der Teil heißt, so einen Schlüssel zum Reifenwechseln…ich hab mich in der Sekunde nur gefragt ob das ein schlechtes Zeichen ist, aber wir sind gut in unserer kleinen Wohnung angekommen. 😉
Die erste Nacht war schlaflos….Jetlag…eine Matratze die noch Originalverpackt war, alles in eine dicke Plastikfolie und drüber das Leintuch, eine rutschige Angelegenheit, aber ich war zu erschöpft das Problem anzupacken….nicht erspart wurde mir ein anderes Problem anzupacken…während mein Mann seelenruhig schlief vernahm ich plötzlich ein Plätschern aus dem Bad….ich ins Bad….oje, das Wasser rann aus der Wand….ich versuchte das Problem zu lösen, es gelang mir nicht, also wieder ins Bett, alles natürlich im Halbschlaf…..aber es wurde lauter, also noch ein Blick ins Bad um festzustellen wenn ich das Problem nicht löse steht bald das Schlafzimmer unter Wasser aber dann hab ich den Haupthahn gefunden und abgedreht und wieder versucht zu schlafen…
1. Tag:
Am Vormittag wurden wir unsanft aus den Betten geschmissen, weil einiges zu erledigen war. Wir europäischen Frauen benötigten Outfits für die verschiedenen Feste und am Abend sollten wir der zukünftigen Brautfamilie vorgestellt werden….ein strammes Programm mit Jetlag… *gääääähn*

Jetzt kommt eine Geschichte die mein Mann gerne erzählt, die ich aber überhaupt nicht komisch fand…
Ich war ja doch schon etwas Asien geübt, hatte ich doch bereits ein paar Asien-Urlaube hinter mir – Nepal, China, Japan und Thailand hatte ich bereits bereist, mit einem Kulturschock hatte ich daher nicht gerechnet…aber dann kam er doch und zwar warum?
Völlig übernachtig wie ich war, schnappte mich mein Mann voller Begeisterung um mit mir “Frühstücken” zu gehen….wie stellt sich eine Österreichische Frau “Frühstücken gehen” nach einer schlaflosen Nacht vor….hört mal in Euch rein? *gg*
Wir also in so eine offene Küche rein, mein Mann bestellt irgendwas ohne mich zu fragen was ich mag… ich hatte mich unheimlich auf einen Massala Chai gefreut und dann stand vor mir plötzlich eine Portion Chole Bhature – dampfendes scharfes Kichererbsen Curry mit frittiertem Fladenbrot, dazu gabs frischen Chili und rohen Zwiebel….jeahhhh…..
Ich wär fast in Tränen ausgebrochen…..ich wollte doch nur eine Tasse indischen Masala Tee……
Mein Mann war voll happy, endlich ein “gescheites Frühstück” ;-)))
Danach hat mir mein Schwiegervater einen Chai gekocht und die Welt war wieder in Ordnung….
Anschließend gab es für meine österreichische Schwägerin, die kurz vorher in Wien meinen zweiten Schwager geheiratet hatte ein kleines Ritual….verheiratete Frauen tragen in Indien rot-weiß-silberne Armreifen die sie nie abnehmen….getragen werden sie solange es von der Braut ertragen wird….je länger, desto größer soll die Liebe zum Ehemann sein….




Es war übrigens alles verpackt, was das Aussuchen etwas erschwert hat und wir hatten unheimlich viele Kleider an in der kurzen Zeit.

Für mich war das ohnehin eine neue Erfahrung in doppelter Hinsicht. Normalerweise gehe ich immer alleine einkaufen, mit 2 Frauen und 5 Männern war ich definitiv noch nie einkaufen. 😉

Es hat eigentlich nicht so lange gedauert…wir waren in einem Shop in dem meine zwei Mit-Europäerinnen 😉 jeweils 3 und ich zwei Outfits gekauft haben…ich wollte dann noch zurück zu einem pink Kleid, welches mir beim Windowshopping so gut gefallen hat, und dann wars auch schon erledigt.

In Indien ist es so das die Kleider dann oft noch “angeschneidert” werden, am Abend wurden sie dann fertig nach Hause geliefert, sogar die für die Oma meiner Schwägerin, die komplett neu geschneidert werden mussten.

Als wir dann nach Hause kamen, wurde bereits das Zelt für die erste Party am kommenden Tag, die Verlobungs oder Ring-Party aufgebaut.
Das ist total lustig, das Zelt wird einfach in die Mitte der Straße gebaut, parkende Autos werden “eingebaut” und die Straße ist dann eben mal 1 Tag lang eine Sackgasse. 😉
Für uns ging es dann Abends, ganz leicht übermüdet ;-)), zur Familie der Braut wo wir mit einem mehrgängigen snackartigen Abendessen begrüßt worden sind.
Es wäre keine indische Hochzeit, wären nicht bereits am ersten Abend Geschenke ausgetauscht worden. 😉

So nett und aufregend dieser erste Tag war, ich war unendlich froh endlich ins Bett zu dürfen.
2. Tag – Sagan – Verlobungs- und Ring-Party:
Am zweiten Tag wurden wir von der netten Nachbarin zum Markt gebracht, wo wir unsere Hände mit Mehndi (Henna) verziert bekamen.
Da die Mutter meines Mannes leider bereits verstorben ist gibt es in seiner Familie keine Frau, für diese Dinge sind aber die Frauen zuständig, daher hat uns die Nachbarin hier bei einigen Dingen liebevoll unterstützt.
Später haben wir dann erfahren das die Henna-Bemalung eigentlich erst später hätte stattfinden sollen, aber das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Ich hatte etwas Bammel, weil ich schon viel über schlechten Henna und schlimme Narben die dabei entstehen können gehört habe….es gibt, offenbar vor allem in Feriengebieten schwarzen Henna, der chemisch ist und mit dem die schlimmsten Dinge passieren können. Ich habe mich also gefühlt 100 Mal versichert das unsere Henna-Künstler natürlichen Henna verwenden.

Das war spannend, man blättert zuerst in 3 dicken Mappen und sucht sich ein Muster aus, ich hab keine Ahnung wieviele verschiedene Varianten es da gab. Man sucht sich also das Muster aus und die Männer malen Synchron drauflos und zwar komplett ohne Vorlage!

Mir wärs vermutlich nichtmal aufgefallen wenn es ein anderes Muster gewesen wäre, nur an den Pfau konnte ich mich noch erinnern! *gg*


Dann wurden wir nach Hause gefahren und mussten erstmal 2 oder 3 Stunden warten bis der Henna getrocknet war….
Zu der Zeit der Hochzeit wars nicht wirklich warm in Dehli, am Tag wars ohne Jacke noch meistens ok, in der Nacht haben wir den Hauch unseres Atems gesehen…daher hats uns echt gefroren an dem Nachmittag an dem wir nichts anziehen konnten über unseren feuchten Henna.
Unsere Männer mussten uns auch füttern und Getränke einflößen während wir warteten und warteten und warteten…


Bevor wir den Henna entfernt haben sahs noch richtig schön aus….
Und dann ging alles ganz schnell…..uns wurde vorab erklärt wir sollten den trockenen Henna ohne Flüssigkeit entfernen, dann hält er länger….wir sollten angeblich bis zum nächsten Tag in der Früh nicht mit Wasser in Berührung kommen….
Und schwups waren da der Freund meines Schwiegervaters und unsere Männer und hatten uns schon Zitronensaft auf die Hände geträufelt, so schnell konnten wir gar nicht schaun…tja, dann also doch nass weil diesen braunen Zitronensaft-Henna-Gatsch mussten wir erstmal von den Händen bekommen….
Danach waren wir dann beide etwas enttäuscht, schön sah das Anfangs irgendwie nicht aus…


Aber der Henna färbte sich dann in den 1-2 darauffolgenden Tagen noch schön dunkel…

Es war lustig auf die eigene Hand zu schauen, die auf einem indischen Kleid lag und sich zu denken…irgendwie sieht das gar nicht aus wie meine Hand…eine Verwandlung fand langsam statt…

Als wir heimkamen vom Mendhi machen lassen war das Zelt bereits mit Stoffen verkleidet, es wurde seit dem Morgen neben dem Zelt auf der Straße in einer kleinen provisorisch eingerichteten Küche gekocht und man konnte sich schon einen Eindruck machen, wie das am Abend wohl werden würde…


Abends wurde es dann zuerst mal vor allem hektisch und chaotisch, die europäische Fraktion war etwas überfordert… 😉
Wir gingen in unsere Wohnung und es hieß wir hätten 2 Stunden Zeit uns fertig zu machen, nach kurzer Zeit ein panischer Anruf des Schwiegervaters wir sollten sofort kommen, die Braut-Familie wäre viel zu früh bereits aufgetaucht und er wäre komplett alleine….wie die aufgscheuchten Hendeln liefen alle rum, bis unsere Männer beschlossen vor zu gehen und uns später abzuholen….
Ok, dann also zum ersten richtigen Fest….

Die Aufgabe von uns zwei europäischen zukünftigen Schwägerinnen war die Braut etwas zu umsorgen….während der hinduistischen Ringzeremonie saßen wir hinter ihr, Geschenke wurden unter uns ausgetauscht und gefühlte 5.000 Fotos geschossen (von uns, ich hatte leider kaum Zeit zu fotografieren).
Zwischendurch stellten uns abwechselnd irgendwelche fremden Menschen Fragen wie: “Warum hast du Deine Haare nicht offen?”, “Warum trägst Du keine Armreifen?” Warum hast Du heute schon ein Mehndi (Henna), “Warum hast du keinen Punkt auf der Stirn?” “Warum hast Du kein Bindhi” “Warum hast du keinen Lippenstift?” “Warum bist Du nicht geschminkt?”……….wir waren schon leicht überfordert und am Ende zugegebenerweiße auch etwas genervt…auch wenn das von allen nicht als Kritik gemeint war, es war ein bisschen viel davon am ersten Abend, zumal wir ja eh versucht hatten uns in 2 Tagen in Inderinnen zu verwandeln…

Wobei sich das irgendwie durch alle Feste durchgezogen hat, die Krönung war dann, als wir fürs letzte Fest extra eine von der Nachbarin organisierte Dame hatten die nach Hause kam, uns ankleidete, schminkte und frisierte…und ich wunderte mich noch das sie mir den Sari so kurz gebunden hatte, ich fragte sogar noch ob das wirklich so richtig ist und dann kamen wir beim fest an und besagte Nachbarin hüpfte um uns rum und lotste uns auf die Toilette um uns den Sari länger zu binden und hat sich unsagbar über ihre Stylistin beschwert…. Irgendwann wundert man sich nur noch, aber man gewöhnt sich dann und der Anspruch alles richtig zu machen sinkt einfach. 😉

Wie bei den meisten Feiern der Woche, saß auch an diesem Abend das Brautpaar auf einer Bühne und ließ sich mit allen Gästen einzeln fotografieren…
Zwischendurch – an diesem ersten Fest – schnappte uns dann übrigens die Nachbarin und stattete uns mit Binidis und Armreifen aus und machte meine Haare auf, um wenigstens zu retten was zu retten war. ;-)) Zurück am Fest beschwerten sich unsere Männer das wir weg waren und sie hätten uns überall gesucht…..ja, wir hatten es wahrlich nicht leicht an diesem ersten Abend….
Es gab zwei Rituale bei diesem ersten Fest, da die Braut der hinduistischen Religion und der Bräutigam der Sikh Religion entstammt.
Geschenke wurden zwischen den Familien ausgetauscht, zweischen den beiden Familien fütterte “jeder jeden” mit indischen Süßigkeiten und anschließend wurde gegessen und wild getanzt.
Fotos hab ich an diesem ersten Fest leider kaum gemacht, es war nicht passend als zukünftige Schwägerin mit Fotografieren beschäftigt zu sein, zumal ich echt auch etwas überfordert war ich gestehe….. Kulturschock 2? 😉

Neben Schmuck, Geld und Kleidung wurden auch Nüsse, Früchte und Trockenfrüchte und indische Süßigkeiten in riesigen Geschenkkörben an die Familie des Bräutigams übergeben…
Als Österreicher fanden wir die Dose Red Bull in einem indischen Geschenkkorb besonders amüsant.

3. Tag:
Ein Tag Feier-Pause. 😉 Das hat uns gut getan, waren wir doch mit Jetlag gleich in die ganzen fremdländischen Feiern hineingestürzt worden. 😉
Am 3. Tag waren beim Bruder meines Schwiegervaters zu Besuch. Es gab köstliches indische Gerichte und wir bekamen einen Crash Kurs im Chapati machen.

4. Tag:
Am vierten Tag ging es zum ersten mal in die City von Dehli, mit einer Autorikscha eine spannende Fahrt….


Vorbei am India Gate…

…zuerst zum größten Sikh Heiligtum in Dehli, dem Gurdwara Bangla Sahib. 1164 war der Tempel nur ein Bungalow, der dann 1783 zum Tempel umgebaut wurde. Der Tempel, wie man ihn heute besuchen kann, ist von 1947.





Anschließend bummelten wir zu Fuß…

…vorbei an Blumen-Verkäufern….




….Hindu-Tempel….


….Sqirrels…

…und Affen….




…zum Bangles (Armreifen) Markt, immerhin hatten wir doch am ersten Abend gelernt das wir Bangles brauchen um uns langsam zu “richtigen Inderinnen” zu verwandeln….


Anschließend gingen wir dann ins Zentrum von Dehli…

…vorbei am berühmten Canott Place..

In den Arkaden, gleich um die Kurve vom Canott-Place gibts eine Bakery in die mein Mann unbedingt wollte, da diese unter den Indern sehr beliebt ist. Es gibt Brot, Torten, Kuchen und pikante und süße Snacks…


Und einen Milkshake, gleich am Eck vom Cannott-Place wollte mein Mann auch unbedingt, Kindheitserinnerungen wurden wach…ich hab mich das – obwohl ich mich damals noch nicht vegan ernährt habe – aber nicht getraut: Milch uns “to go” in Indien und so. 😉

…Chai gibts an jedem Straßeneck…

…und Knabber-Linsen, die übrigens wesentlich weniger Kalorien haben als Kartoffel-Chips und man kann auch nicht eine Packung auf einmal aufessen. 😉


…un mit der Metro gings zurück… wir hatten Glück, es war nicht voll und wir fuhren im Frauen-Abteil.

Die Metro-Fahrt war ganz entspannt, abgesehen davon das mich der Ticket-Automat nichtmehr raus lassen wollte, obwohl ich ein bezahltes Ticket hatte…

Im nächsten Teil erzähle ich Euch von der Henna-Party und davon wie wir zwei Europäerinnen mit einem traditionellem indischen Gefäß am Kopf tanzend unter Trommelwirbel zum Tempel gegangen sind, dort heiliges Wasser geholt haben um wieder zurück zu tanzen und unseren zukünftigen Schwager damit zu duschen. 😉 Ich hab also nicht zu viel versprochen mit den Aufgaben der Schwägerinnen, oder? ;-))

Eure WonniPs: danke Petzi das ich auch Deine Fotos verwenden durfte!

dein Bericht ist ein GENUSS zu lesen … Danke und erinnert mich so sehr an meine IndienReise(n).
Das freut mich liebe Daniela, war auch sehr nett ihn zu schreiben und die alten Fotos nochmal zu sichten und all die alten Erlebnisse und Eindrücke nochmal vorzukramen 🙂
Wenn ich Berichte wie deinen lese, rückt Indien auf meiner Places to see-Liste gleich ein ganzes Stück nach oben. Klingt unglaublich eindrucksvoll, was du da erlebt hast! Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.